Straßburg - Herbolzheim (58 + 6 km)

Wir wollten unbedingt sehr zeitig los, da wir über 50 Kilometer auf dem Plan hatten und unbedingt da sein wollten, bevor es so richtig warm ist. Zunächst kamen wir nicht vom Parkplatz, weil wir die Parkplatztür nicht öffnen konnten. Aber wir hatten Glück, denn ein Autofahrer wollte auch gerade raus und so konnten wir uns anschließen. 

Die Ausfahrt aus Straßburg war etwas hektisch, es gibt zwar hier jede Menge von Radwegen, aber sie ändern sich auch mal schnell ohne es vorher anzukündigen und die einheimischen Radfahrer weigern sich auch zum größten Teil, die Verkehrsordnung einzuhalten. Wenn dann noch der Morgenstress dazu kommt, der Kaffee wurde gerade runtergestürzt, das Croissant steckt noch halb im Hals und der Chef wartet auch schon, dann wird es richtig anstrengend. Klingt fast spießig, aber ich freue mich schon auf eine halbwegs geordnete Verkehrslage. Ein großes Aufatmen gab es, als wir die Hauptverkehrswege hinter uns hatten und eine ganze Weile am Wasser langfahren konnten.

Nach etwas 20 Kilometern sind wir über den Rhein wieder nach Deutschland gekommen. Der Rhein hatte einen normalen Wasserstand, da er hier kanalisiert ist.

In Allmannsweier haben wir in einem Edeka Mittag gegessen. Wir haben zuerst draußen gesessen, aber da sich sofort die Wespen über meine Hühnerkeule hergemacht haben, sind wir rein gegangen. Ich hatte richtig Hunger und habe dass Teil in mich rein gejagt. Fast am Ende habe ich bemerkt, dass mich eine Frau faziniert durch das Fenster beobachtet hat. Wahrscheinlich hat sie gedacht, oh Gott, die kleine dicke Frau reißt ein Tier. Und mein Thomas hat in gewohnter Eile seine Späzle vertilgt, schließlich hatter er schon lange keine mehr.

Wohlgestärkt ging es weiter. Irgendwie wurden es dann immer mehr Kilometer, die letzten 6 haben wir dann auch die unendlichen Sechs genannt. Kurz vor dem Ziel hat Thomas bemerkt, dass eine Pedal schwer zu treten war, da es nach untern geneigt war. Er ist noch bis zum Hotel gekommen und dann ist es abgefallen. Das war schon mal Glück Nr. 1 - wir sind noch ans Ziel gekommen. Da wir jetzt doch 58 Kilometer gefahren sind, wollten wir eigentlich duschen und uns ausruhen, das wurde jetzt umgeplant, in die Suche nach einer Werkstatt. Es gab tatsächlich eine kleine Werkstatt im Ort etwa 3 Kilometer entfernt. Thomas hat sie im Internet gefunden, dort war vermerkt, dass sie um 16 Uhr schließt. Also hat Thomas angerufen und unser Problem geschildert. Der Besitzer hat gesagt, wir sollen vorbeikommen, er sei da. Also mussten wir so schnell wie möglich dort hin. Thomas konnte nicht mehr fahren, deshalb habe ich ihn abgeschleppt. Das muss ihrgendwie komisch ausgesehen haben, einige haben verwundert geschaut. Aber sicherlich nur, weil es üblicher ist, dass Kinder oder Frauen von Männern abgeschleppt werden und nicht umgekehrt.

Wir haben die Werkstatt pünktlich erreicht und der Besitzer war einfach spitzenmäßig. Er hat sich die Sache angesehen und gesagt, er repariert seitdem er 8 Jahre ist Räder, aber so etwas hat er noch nicht gesehen, das ein Pedal aus der Kurbel rausgebrochen ist, weil das Gewinde völlig hin ist. Aber er repariert sowieso lieber als neue Teile anzubauen. Er hat gesagt, wir sollen gut zusehen, was wir auch gemacht haben. Er hat die Kurbel etwas ausgefräst, dann ein neues Gewinde eingeklebt und die Pedale raufgesetzt. Super, das hätte uns sicherlich sonst keiner gemacht. Dann hat er noch eine kleine Acht aus dem Hinterrad gezogen, den Luftdruck optimiert und innerhalb einer dreiviertel Stunde waren wir wieder startklar. Also ein großes Dankeschön an Herrn Arabul. Arabul ist ein türkischer Name und heißt gesucht und gefunden. Ja, das war Glück Nr. 2 wir haben einen sehr guten Fahrradfachmann gesucht und haben ihn gefunden.

Solche Leute brauchen wir in Berlin, dort hätte er Kunden ohne Ende und wir müssten nicht Unsummen für neue überteuerte Ersatzteile bezahlen. 



Wir haben die erfolgreiche Reparatur mit einem dicken Eis gefeiert und uns noch Herbolzheim angesehen. Nach einen aufregenden Tag und 63 Kilometer mit Panne und Abschleppphase waren wir richtig zufrieden, nachdem wir im Hotel duschen und uns erholen konnten.
 

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